Werke | Komponisten

Über die in unseren aktuellen Konzertprogrammen aufgeführten Werke und Komponisten

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Sinfonia concertante Es-Dur für Violine, Viola und Orchester KV 364 (320 d):

Als Sinfoniea Concertante werden Stücke einer Art Zwischengattung zwischen Sinfonie und Solokonzert bezeichnet. Vergleichbar ist diese Gattung mit dem barocken Concerto grosso. Sein erstes Werk dieser Art für 2 Violinen und Orchester bezeichnete Mozart jedoch als Concertone (großes Konzert). Unter dem Eindruck der neuen musikalischen Erfahrungen auf seiner Reise nach Mannheim und Paris (1777-79) wählte er dann die Bezeichnung Sinfonia concertante – eine Bezeichnung, die zu diesem Zeitunkt in Mannheim und Parin „in“ war. Grund waren die hervorragenden Solisten des berühmten Mannheimer Orchesters, in Paris wiederum huldigte man mit Begeisterung der solistischen Kunstfertigkeit reisender Virtuosen. Für beide Zwecke war die Sinfonia concertante mit ihren Kontrasten zwischen Tutti und Solisten ideal geeignet. Als Mozart 1777 nach Mannheim kam, entwarf er nach diesem Vorbild zunächst ein Konzert für Klavier, Violine und Orchester (KV 315f). Dieses blieb jedoch ebenso unvollendet wie die für Paris geplante Concertante für vier Bläser und Orchester (es ist bis heute nicht hinreichend geklärt, ob das heute als Mozarts Bläserconcertante viel gespielte Werk KV 297b wirklich aus Mozarts Feder stammt). Nach seiner Rückkehr nach Salzburg befaßte Mozart sich erneut mit dieser Gattung. 1779 vollendete er schließlich die Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester in Es-Dur. Die Kombination der Soloinstrumente Bratsche und Violine war in Salzburg besonders beliebt, wie auch vier Duos von Michael Haydn zeigen. Eine Besonderheit in Mozarts Streicherconcertante KV 364 ist die sogenannte Skordatur: die Saiten der Bratsche werden einen Halbton höher gestimmt um ihrem Ton mehr Glanz zu verleihen, wodurch die Notation in der Partitur transponierend erscheint.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Hornkonzert Nr. 2 in Es-Dur KV 417:

Fast alle seine Solokonzerte hatte Mozarts Freunden gewidmet. Seine vier Hornkonzerte widmete er Johann Leutgeb, der Hornist an der Salzburger Hofkapelle war. Auch seine Konzertstücke und ein Quintett schrieb er für Leutgeb. Im Es-Dur-Konzert KV 417 (1783 komponierte) verwendet er eine Melodie, die er später in seiner Oper „Le nozze di Figaro“ („Figaros Hochzeit“) zu einer Arie auskomponiert hat. Die Gesanglichkeit der Melodien und die Jagdhorn-Motive im Finale weisen dieses Hornkonzert als ein typisches Werk der Klassik aus.

Antonin Dvorak (1841 – 1904):

Streicherserenade

Die Streicherserenade entstand zu jener Zeit, als Dvorak 1871 seine Stelle als Bratscher im Prager Interimstheater bereits aufgegeben hatte um sich dem Komponieren zu verschreiben. Nachdem sein festes Gehalt nun entfiel, musste er Stücke schreiben, die gut aufführbar waren und dem Publikumsgeschmack entsprachen. Zunächst arbeitete er an Opern, in welchen er versuchte, die aktuelle politische Situation aufzugreifen, die damals geprägt waren von der Emanzipierung Tschechiens von Österreich. Nachdem seine Oper „Der König und der Köhler“ kein Erfolg wurde, versuchte Dvorak einen neuen Stil: die Anspielung auf politische Situationen skizzierte er nun durch die Verwendung slawischer Melodien, die er nicht nur verwendete sondern mit untrüglichem Stilgefühl weiterentwickelte. Ein Werk dieser Schaffensperiode ist die Streicherserenade in E-Dur, die Dvorak im Mai 1875 vollendete.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)

Ouvertüre „Ein Sommernachtstraum“ op. 21:

Abraham Mendelssohn, Felix‘ Vater, nahm Felix 1825 mit nach Paris, wo es dem Sohn wenig gefiel, er aber Bekanntschaft mit Gioachino Rossini, Giacomo Meyerbeer und Luigi Cherubini machte. Nach der Rückkehr aus Paris nach Berlin im Jahre 1825 zog Abraham Mendelssohn in die Leipziger Straße (dort befindet sich heute der Deutsche Bundesrat im ehemaligen Preußischen Herrenhaus). Das Haus hatte ein Musikzimmer, in welchem bei sonntäglichen Konzerten mehrere hundert Personen zuhören konnten. In diesem Rahmen kam es 1826 zur ersten Aufführung der Sommernachtstraum-Ouvertüre, eines bemerkenswert reifen und vllendeten Werkes. Mendelssohn war zu dem Zeitpunkt erst siebzehneinhalb Jahre alt. Öffentlich dirigierte er die Ouvertüre erstmals in Stettin im Februar 1827.

Robert Schumann (1810 – 1856)

Sinfonie Nr. 3 Es-Dur „Die Rheinische“:

Schumann wurde überaus herzlich empfangen, als er seine neuen Stelle als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf antrat und bekam schnell Kontakt zu zahlreichen Künstlern und zu künstlerischen Kreisen. Diese positive Stimmung, die Schumann allerseits entgegenschlug, wirkte sich unmittelbar auf die dort komponierte 3. Sinfonie aus. Der Charakter der rheinländischen Menschen gefiel Schumann außerordentlich, und so komponierte er hochmotiviert seine fünfsätzige „Rheinische“ Sinfonie, seine fröhlichste. Vor allem die ersten beiden und der 5.Satz sind beschwingt. Es wird vermutet, dass der vierte Satz, der ein wenig an einen Gottesdienst erinnert, eine Anspielung auf den Kölner Dom ist – und möglicherweise auch auf die Weihung des damaligen Erzbischofes Johannes von Geissel.

Emil Hartmann (1836 – 1898)

Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll Op.26:

Die Partitur des Cellokonzertes schickte Hartmann 1879 an den deutschen Cellovirtuosen Friedrich Grützmacher, der bereits als 18-Jähriger Solocellist im Gewandhausorchester wurde und ab 1860 Solocellist der Dresdener Hofkapelle war. Grützmacher betätigte sich auch als Herausgeber von Cellomusik zahlreicher bekannter Komponisten. Über seine Herausgebertätigkeit schrieb er, er wolle erforschen, was die Komponisten eigentlich im Sinn gehabt hätten, er gedachte alles, was sie nicht notiert hätten, er bis ins Detail festzuhalten. Dazu glaubte er sich mehr berechtigt als jeder andere. Diese Einstellung bekam Hartmann zu spüren. Mehrere deutsche Komponisten hatten ihn gewarnt vor Grützmachers Verbesserungsdrang. Grützmacher forderte Hartmann z.B. auf, für den ersten Satz einen anderen Schluss zu komponieren. Die Fertigstellung zog sich hin, obwohl Grützmacher versprochen hatte, das Konzert in der Spielzeit 1878/79 in Dresden zu geben. NAch langem Hin und Her wurde die Uraufgeführt dann nicht von Grützmacher gespielt, denn bevor dieser überhaupt so weit war, wurde es im Kopenhagener Musikverein von dem jungen dänischen Cellisten Robert Hansen uraufgeführt und wurde in der Presse positiv rezensiert. Doch auch Grützmacher spielte das Konzert schließlich, als der Musikverein es anderthalb Jahre später aufs Programm setzte.