Die Zauberflöte

Prolog:

Als Sprecher der Eingeweihten des Sonnenkreises heiße ich alle Fremden hier bei uns willkommen.

Eine lange Reise habt ihr hinter Euch, ehe Ihr die Pforten unseres Tempels endlich gefunden habt. Ihr seht die Inschriften – drei Pforten – der ”Vernunft”, der ”Natur” und der ”Weisheit”.

Doch zunächst habe ich drei Fragen an Euch.

Als Erstes: Was brachte euch hierher? Die Schlauen werden sagen: ”Die Straße!” Doch – welche Straße? War es die Straße von Süden her – durch die Wüste, wo Euch am Horizonte eine Oase als Fata Morgana erscheinen kann? In der goldener Honig von Bäumen herunter fließt? Wo beim Trinken der goldene Nektar zu gelbem Sand wird, der euch durch die Finger rinnt? Oder – war es der steile Pfad von Norden her – über die mächtigen Berge, wo beim Aufsteigen der Atem friert? Wo Geparde lauern, schneller als der Wind, bereit, die Trägen aufzufressen? Wo Sterne so nah zu sein scheinen, daß mit nur einem Griffe sie zu fangen wären? Oder war es der eigene Weg? Der gefährliche, den vor Euch noch keiner ging? Jener Weg, der bei jedem Schritte eures Lebens – erst entsteht – um sich vor Euch hinzubreiten?

Als Zweites: Was bringt euch hier zusammen? Ist es die Neugierde? Die Sehnsucht nach Wissen? Nach Erleuchtung? Oder ist es der Hunger nach den süßen Feigen, der Durst auf den feinen, satten Wein aus Sarastros Keller? Ist es das Knurren eurer Mägen, das ich da höre? Oder das Knurren eurer Seelen, lauter als das Zirpen der Zikaden in den Tempelgärten?

Als Drittes: Was wird es Euch bringen? Erwartet ihr etwa Schätze aus Gold? Oder Perlen von Weisheit? Oder mächtigen Zauber, der alle Probleme löst? Das alles werdet ihr bei uns nicht finden! Ihr werdet nur das bekommen, was ihr mitbringt. Nur: daß ihr noch nicht wißt, daß ihr es die ganze Zeit schon bei Euch hattet. Ich werde es euch beweisen – mit der Geschichte eines Reisenden, der einst hierher in unseren Tempel kam. Er kam zu uns aus den niederträchtigsten Gründen, – und aus den edelsten – nämlich aus Haß und aus Liebe.Seine Reise soll euch ermutigen. Das Göttliche, wozu er in der Lage war, war sein Menschsein.

Doch ganz gleich wie und weswegen … ihr seid endlich hier – und hier willkommen.